Lagavulin 16 yo trifft Digger Barnes „Frame by Frame“



Ich möchte etwas über die Begegnung zweier Gefährten schreiben, die sich kennengelernt haben und als Seelenverwandte auseinander gingen.
Staubig, trocken, heiß – eine Klapperschlange kommt vorbei und windet sich um den Kaktus neben dem Saloon. Drinnen sitzt ein verschwitzter Mann mit seiner Gitarre und singt vom Leben und kaut nebenbei Kautaback und hat eine kleine Kapelle dabei.
Die Zuhörer sitzen, spielen Poker, trinken hartes Zeug (oder Milch) und warten bis die Hitze des Tages verfliegt.
Der Mann mit der Gitarre – ein waschechter Hamburger der sich aber so anhört wie im Mittleren Westen der Staaten.

Und ja, der spielt mit den Namen der Charaktäre diverser Western Serien - aber was macht er für Musik?
Rauchig, Speckig und galant - immer etwas netter als in echt.
So wie der Lagavulin… 43% und gefärbt... aber schön....der erste Eindruck: Rauch, Lagerfeuer – die Bohnen aus der Gusspfanne nicht, aber etwas Speck und eine sanfte Süße wie von süßen Zwiebeln aus der Pfanne… Butter, ja… Staub, Asche, Rauch – das Feuer ist runtergebrannt.
In dieser Stimmung groovt Digger Barnes mit dem Glas. Wenn man sich die Zeit nimmt hinzuhören, geht es um Freundschaft, das Leben, weitermachen und aufhören.
Manchmal mit einer schönen background Stimme (wie in „what will we do“), manchmal mit Mundhamonica. 
Es ist immer „Nett“ - und charmant. „Way of the rover“ rollt und könnte auch auf dem Rücken eines Pferdes, in der Postkutsche spielen – aber es weht ein wenig der Hauch von Prärie durch das Fenster.
Darauf einen Dram… Ich bin froh das gute alte Shure M95 System im Sattel zu haben, das passt gut zur Stimmung und löst nicht feiner auf, als die Musik hergäbe – gut so, passt.

Und der Lagavulin? Der wird süffig – ok, 43% und ein etwas schmeichelnder speckiger Nachklang - und Asche… mehr ist da nicht, aber das schmeckt nach Reife und Weite. Wenig Eiche, viel Malz und Rauch… süffig.
Digger ist auch süffig und bei Tracks wie „two ringing ears“ darf auch Emily Barker etwas mehr von sich zeigen… wie das sanfte bizzeln auf der Zunge des Lagavulins.
Ein feiner Zug von Digger – aber so rechte musikalische Tiefe stellt sich nicht ein.
Aber wer möchte das schon, bei den Temperaturen und wenn der Wind nachlässt.
Etwas Honky Tonk, RnR und Country mit Western – ja, das schmeckt, ist rund und hat durchaus Stil. So kann ich meinen Abend verbringen.
Das schöne Duett „soon i will hold you again“ ist schon fast etwas zu kitschig, passt aber gut in das Album.

Und wenn die Scheibe zu Ende ist – der letzte Track ist „Winner & Looser“ und lässt mich durchaus etwas zweifelnd zurück - hole ich mir das Album „Time has come“ - das ist etwas düsterer und braucht dann auch etwas mehr Trinkstärke… vielleicht was für den Uigedal…
Laga und Digger – Danke für den schönen Abend, ich hatte viel Spaß mit euch beiden.Der Saloon macht zu, der Highway versinkt im Dunkeln und die letzten Gäste gehen über die staubige Piste nach Hause…